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Matthias (DD7NT) empfängt Längstwellensender SAQ zu Weihnachten 2012


Der Empfang der schwedischen Längstwellenstation am Weihnachtstag ist für mich eine Traditionsveranstaltung, die ich so gut wie nie verpasse. Eigentlich ist es eine Routinesache, da erprobte Antennen und Empfänger für den VLF-Empfang vorhanden sind. Trotzdem prüfte ich rechtzeitig vor der Sendung nochmal meine beiden Empfangsantennen und musste feststellen, dass beide kein Signal gaben. Die beiden Außenantennen im Garten waren immer noch mit einer Eisschicht bedeckt, die CAT-Kabel saßen festgefroren in den Steckern und die aktiven Komponenten der  beiden LZ1AQ-Antennen konnten nicht zur Prüfung abgebaut werden. So wurde am Vortag eine lange nicht mehr benutzte kommerzielle Antenne - die DX1 – an ein zusätzlich verlegtes Koaxkabel angeschlossen, in der Hoffnung, dass der Empfang  auch mit dieser Antenne gelingen würde. Später taute ich dann doch noch die Loopantennen mit der Heißluftpistole vorsichtig ab und konnte sie testen. Beide funktionierten jedoch am Labornetzteil. Die Nässe und das Eis hatten keinen Fehler verursacht. Der Fehler fand sich schließlich im Shack. Dort war auf der Empfängerseite die Einrastnase des CAT-Steckers altersbedingt abgefallen, der Stecker saß nur locker in der Buchse und die Antennen waren nicht mit dem Rx und der Speisespannung verbunden. Für die lange Strecke von Shack bis in den Garten profitiere ich von einer störarmen symmetrischen Zuleitung und nehme dafür  normales CAT5-Netzwerkkabel. Es hat 8 Adern und das genügt für bis zu 3 Antennen und für die Speisespannung. Der defekte Stecker wurde dann  mit einem Holzspan in der Buchse festgeklemmt und die Antennen waren betriebsbereit.

 

Am 24.12. sollte die Übertragung um 0800 UTC beginnen und der Sender sollte ab 0730 mit dem Tuning zu hören sein.  Meist taucht das Signal aber erst später auf. Die Bedingungen waren jedenfalls verheißungsvoll.

Im Wasserfalldiagramm zeigten sich 3 Stationen des russischen Alpha-Navigationssystems bei 11.9, 12.09 und 14.88 kHz. Es sind dies Stationen in Krasnodar, Revda und Novosibirsk. Auch der Träger von SAQ war bereits auf 17.2 kHz zu sehen und zu hören. Wenn die Alpha-Stationen gut einfallen, ist auch SAQ gut zu hören.

Ein Problem kann dann höchstens noch das QRM sein.

 

 

Aber auch das hielt sich in Grenzen, das Spektrum zeigte nur die üblichen 100 Hz „Lattenzäune“ .

Das sind die vielen Steckernetzteile und Energiesparlampen die irgendwo im Ort „senden“. Wenn man auch diese Störungen vermeiden will, muss man schon ein Stück Landschaft weitab von Stromkabeln aufsuchen.  Die Übertragung begann dann pünktlich um 0800 UTC. Sie war diesmal kurz und enthielt einen Weihnachtsgruß. Bereits um 0805 ging SAQ wieder off air. Im Bild 3 sieht man den Träger von SAQ.  Er liegt gut 20 dB über dem Rauschen. Kein Problem die Signale zu lesen. Zum Nachhören habe ich mit dem Perseus einen Mitschnitt angefertigt.

Einen Link zu  einem Youtube-Film möchte ich euch nicht vorenthalten.  Der Film wurde 2011 hergestellt und enthält viel über den Aufbau und den Betrieb des Senders.

 

            http://www.youtube.com/watch?v=-S6gXmElHoI

 

Dieser Film zeigte mir fast alles, was ich über SAQ noch gern gewusst hätte. Er beginnt mit dem Anfahren des Senders. Da Motor und HF-Generator des Motorsenders über das Getriebe starr und ohne Regelmöglichkeit verbunden sind, bestimmt allein die Generatordrehzahl die Sendefrequenz. Der Generator wird daher erst einmal über längere Zeit auf  Touren gebracht. Danach wird die Antenne zugeschaltet. Die Regelung der Drehzahl passiert über große regelbare Flüssigkeitswiderstände wohl durch Heben und Senken entsprechender Eisenstäbe im Elektrolyt oder durch hydraulische Einstellung des Elektrolytstandes. Auch diese Widerstände werden im Film gezeigt. Die Motorregelung mit Flüssigkeitswiderständen war bis zum Anfang der 70er Jahre auch noch bei Elektroloks im Einsatz. Dort wurde eine 0,5%ige Sodalösung verwendet und auch die Elektroloks mussten wie ihre dampfbetriebenen Vorfahren hin und wieder Wasser tanken, denn auch diese Widerstände werden warm und etwas Wasser verdampft dabei. Am Ende des Films ist auch der kleine Kühlteich der Station zu sehen.

 

Die Wirkung der Regelung kann man sehr gut im Wasserfalldiagramm beobachten.  Trotz einsetzender Last beim „www“ geht die Frequenz nach oben und oszilliert dann  etwas. Auch bei modernen Kurz- und Mittelwellensendern kann die elektronische Regelung der Sendefrequenz auf diese Weise beobachtet werden, wobei eine wesentlich höhere Auflösung erforderlich ist.

 

Ein anderes Geheimnis der Grimeton-Station war für mich bisher die Tastung des Senders. Es wird der Träger getastet und das ist bei einem 200kW-Sender nicht auf direktem Wege möglich. Auch hier zeigt der Film wie das geschieht. Die Morsetaste steuert vier offene schnell bewegliche große Schaltkontakte wohl mit Motor oder Tauchspule. Das passiert vermutlich über einen weiteren Zwischenschalter der ebenfalls kurz in Bewegung zu sehen ist.  An diesen  Kontakten blitzt es im Takt der Morsezeichen recht kräftig. Ein Druckluftstrahl lässt aber keinen Lichtbogen entstehen. Man sieht das im Film beim Blick in den abgesperrten Bereich. Es ist schon ein mechanisches Wunderwerk, wie ein Starkstromschalter das CW-Tempo erreichen kann. Die Pumpen für die Ausblasluft stehen hinter den Flüssigkeitswiderständen.

Über große Kupferleitungen gelangt die HF an einen „magnetischen Verstärker“ - wohl ein Transformator, der die Spannung erhöht und von da aus dem Sendehaus über die Speiseleitungen an die Antenne.

 

Nachträglich konnte ich dann auch noch die Aufnahme mit der kommerziell gefertigten Antenne DX1 auswerten. Sie war ebenfalls gelungen, besser als die Eigenbauantennen war sie aber nicht.

 

Nun kann ich wieder auf eine Grimeton-QSL hoffen. Mal sehen, vielleicht gibt es doch mal wieder ein neues Kartenmotiv. Vielleicht einen Flüssigkeitswiderstand oder die Tastschalter mit ihren Blitzen.

 

73 und guten SAQ-Empfang wünscht

Matthias, DD7NT

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