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16. Internationales Amateurfunktreffen in Lengefeld / Erzgebirge

 


 

Am 3.10.2020, dem Tag der deutschen Einheit, nahmen Andreas (DG1AP) und Christian (DL9NL) am Vortragsprogramm des Amateurfunktreffens im Lengefelder Erzgebirgshof teil. Die Veranstaltung wurde vom OV S26, DARC, AATiS e.V. und der Schulfunkstation DL0GYM organisiert. Sie war unter Berücksichtigung der Corona-Vorsichtsmaßnahmen sehr gut besucht. Und trotz mancher Nachdenklichkeit an diesem Feiertag  - eine solche Veranstaltung hat man sich vor mehr als 30 Jahren nicht vorstellen können.

 

 

Vortrag Wetterradar

Andreas im Interessiertenkreis

Im ersten Vortrag präsentierten Dipl.-Ing. Paul Reuvers (PE1BXL) und Dipl.-Ing. Marc Simonis (PE1RRT) vom Crypto-Museums Eindhoven und Dr. Carsten Handsky, DL3HRT (AATiS e.V) unter dem Titel „Die Technik der Spione“ Agentenfunktechnik aus Ost und West.

Ob Geräte der NVA, der CIA, des MI6, des BND oder des KGB – eines hatten viele der Geräte trotz unterschiedlicher Gesellschaftssysteme gemeinsam - sie wurden sehr sorgfältig und solide gebaut - sozusagen mit besonderer Liebe zur Spionage und ohne offensichtliche finanzielle Einschränkungen.

Da Aussendungen im UKW-Band sehr schnell angepeilt werden konnten, wurden in der Regel Frequenzen im KW-Band verwendet. Vom äußeren Aspekt sollten die Geräte klein, aber nicht unhandlich sein, dafür aber möglichst unauffällig, weswegen manche in der Sprache des Einsatzlandes beschriftet wurden.

In dem exzellenten Vortrag mit perfekter visueller Darstellung der Gerätetechnik, mit übersichtlichen Nachzeichnungen der Schaltbilder und Animationen lernte man die Bedeutung von Zahlensendern, der one-time-pad Verschlüsselung, von Blindfunk und Schweigefunkern bishin zu verschiedenen Methoden der CW-Generierung für Agenten mit wenig Morsetalent kennen.

Kennzeichen eines Agentengerätes: Die versteckbare Morsetaste.

 

CW-Kodierung auf Tonband

Aber auch der Weg eines Agentengerätes bis zu seinem Platz im Crypto-Museum war machmal höchst spannend und abenteuerlich. Anekdoten darüber, vorgetragen in charmantem holländischen Akzent, führten zu vielfachen Schmunzeln und Kopfschütteln. So war auch zu erfahren, dass wohl behütete geheime Geräte auf eBay ersteigert werden konnten.

CW-Kodierung mit gestanztem Tonband CW-Matrizen mit abtastbarem Code  

 

 

 

Vortrag WetterradarDer folgende Vortrag von Prof. Dr. Mathukar Chandra (DJ0HN), Technische Universität Chemnitz, schien den vorausgegangenen Vortrag noch übertreffen zu wollen. Er berichtete über die neuesten Fortschritte auf dem Gebiet des Wetterradars – “ Die Mikrowellenaugen des Wetterfroschs“.

In großen Bögen skizzierte er, dass ein Radar nach Aussendung eines Impulses und Auswertung des reflektierten Empfangssignals nach den Parametern Amplitude, Phase, Impedanz und Polarisation eigentlich nichts anderes sei als ein Vektoranalyser, wie er vielen Funkamateuren vertraut sei. Die ganze Signalauswertung könne nach Aufspaltung in eine horizontal und vertikal polarisierte Komponente in einer einfachen Matrix abgebildet werden. Durch eine kontinuierliche Verschiebung der Phase des Sendeimpulses lässt sich ein Parabolspiegel so scharf fokusieren, dass in 10 km Entfernung noch eine Fliege, die den Radarstrahl durchquert, detektiert werden kann (so hat es jedenfalls der Autor verstanden). Durch weitere technische Entwicklungen der Radarantennen, ihrer Ansteuerung und der digitalen Signalverarbeitung konnte einerseits die Auflösung gesteigert und andererseits die Antennengröße weiter verkleinert werden, sodass auch in eingeschränkten Platzverhältnissen wie in Satelliten ihre Leistungsfähigkeit dennoch gesteigert weden konnte. Heutzutage sei es möglich, Eiskristalle bis zur einer Größe von 1 mm Durchmesser und noch kleinere Wassertröpfchen zu differenzieren. Diese Fortschritte in der Radartechnik haben auch dazu beigetragen, dass sich der Wetterfrosch bezüglich seiner Vorhersagen immer seltener die Augen reiben muss.

 

 

 

Empfängerkonzepte

„Professionelle Empfängerkonzepte im Wandel der Zeit - vom Kohärer zum SDR" war das Thema von Dipl.-Ing. Harald Wickenhäuser (DK1OP).

Größer konnte die Zeitspannne nicht sein. Vom ersten Kohärer um 1890 bis zu den letzten analogen Konzepten vor dem SDR wurden die Empfängertypen anhand eines Rasters nach den Parametern Empfindlichkeit, Selektivität, Eindeutigkeit, Rauschen und Frequenzstabilität charakterisiert und bewertet. Dem Glashausdetektor 1920 folgte der Geradeausempfänger, der durch eine Rückkopplung als Audion eine höhere Selektivität und Sensitivität erreichte und als Volksempfänger

weite Verbreitung fand. Weiter ging es zum Superhet, Doppelsuperhet und Dreifachüberlagerer bis zu den jüngsten analogen Entwicklungen mit hochliegender ZF oder kaskadierter niedriger ZF. Nicht immer führten die hochgezüchteten Konzepte zu einem eindeutigen Erfolg - wenn namlich die gesteigerte Selektivität durch zunehmendes Rauschen zunichte gemacht wurde; eine Erfahrung, die selbst Rohde & Schwarz machen musste. 

Nach diesen detailierten und umfassenden Ausführungen konnte die SDR-Technik nur noch angerissen werden, sodass Stimmen aus dem Auditorium schon nach einem Folgevortrag fragten.

 

 

 

 

EmpfängerkonzepteHandfestes aus der Antennentechnik wurde von Martin Steyer (DK7ZB) vorgetragen. Unter dem Thema "Konstruktionsvorlagen für kurze Yagiantennen und deren Stockung" ließ er von Anfang an keine Zweifel aufkommen, dass bei den Yagiantennen Bandbreite, Antennengewinn sowie die Richtwirkung nicht beliebig über physikalische Grenzen hinweg gesteigert werden können, sondern das eine Erhöhung des einen Parameters immer zu der Minderung bzw. Verschlechterung eines anderen führe. Auch plädierte er dafür, als Referenzwert für die Gewinnbeurteilung weder den nicht real-existierenden dBi (isotroper Kugelstrahler)  noch den dBp (p: prospekt = Verkaufsprospekt)  heranzuziehen, sondern den dBd (Dipol). Er zeigte anhand von Versuchsserien, dass schon durch Stockung einfacher Yagi-Antennen mit 2-5 Elementen eine beachtliche Richtwirkung zu erzielen ist.

Großer Wert ist bei diesen schmalbandigen niederohmigen Antennen auf eine korrekte Anpassung zu legen, vorzugsweise mit einer Lambdaviertelwellenleitung. Und für den Fall, dass ein besonders krummer Fußpunktwiderstand eine Parallelschaltung eines 50-Ohm- und eines 75-Ohm-Koaxkabels erfordert, muss der Verkürzungsfaktor beider Kabel gleich sein. Ein entsprechend geeignetes 75-Ohm-Kabel ist sehr schwer aufzutreiben und dann nur in Konfektionslängen von mehreren 100 m auf der Rolle zu erhalten: Bei DK7ZB gab es die begehrte Rarität in gewünschter Länge als "Bückware".

 

Obwohl uns am Schluss infolge der vielen Neuigkeiten, zahlreichen Bilder und Formeln der Kopf rauchte, haben uns die hervorragenden Vorträge in einer angenehmen Umgebung sehr gefallen und zur Einschätzung geführt: Im nächsten Jahr gerne wieder.

 

Christian, DL9NL

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