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Backen statt Basteln


 

- der kleine Dresdner Stollen Kontest -

von Christian, DL9NL

 

Wenn es wieder auf Weihnachten zu geht, entsteht insbesondere bei Dresdnern in der Wahrnehmung ein magischer Sog , der sich auf eine Spezialität konzentriert, die den Namen der Stadt trägt, und alle früheren Erinnerungen an Weihnachten auf den Punkt bringt: Der Dresdner Stollen.

 

Der Dresdner Christstollen war wohl ursprünglich ein nicht sonderlich gut schmeckendes Fastengebäck, weil es den Untertanen von Seiten der kirchlichen Autorität nicht erlaubt war, Milch und Butter zu verwenden.

 

In Sachsen schmeckte der Stollen aber auch der Obrigkeit Kurfürst Ernst von Sachsen und seinem Bruder Albrecht nicht. Da dies nicht so bleiben konnte, griff Kurfürst Ernst in die Staatsschatulle und wandte sich an den für die Misere verantwortlichen Papst Innozenz VIII.

 

Nach zufriedenstellender finanzieller Kompensation ihres Ansinnens erhielten sie 1492 eine päpstliche Bulle, den sogenannten „Butterbrief“, mit dem das Milch- und Butterverbot aufgehoben wurde. Danach schmeckte der Dresdner Stollen natürlich besser als jeder andere - der Ruf ist bis heute geblieben.

 

In dieser historisch geprägten Umgebung erwähnte Andreas, DG1AP auf der Clubstation eher beiläufig, dass er einen Stollen backen wolle – einen Dresdner Stollen. Dies wurde wohl von den anderen Anwesenden stillschweigend als Herausforderung verstanden und so entschlossen sich Wolfgang, DL4WO und Christian, DL9NL diese anzunehmen und selbst und eigenhändig und selbstverständlich ohne hausfraulichen Support ebenfalls einen Stollen nach Dresdner Art zu backen.

 

   
         
         

 

Es wurde nach Rezepten gesucht, im handgeschriebenen Kochbuch der Großmutter wie auch im Internet.

Das Vorhaben war eigentlich nichts anderes als Basteln auf etwas höherem Niveau. Die Zutaten hatten gegenüber den Bauteilen mehr amorphe Form, der Hefeteig war schwieriger zu handhaben als eine Platine, aber in beiden Fällen wurde das Werk mit Hitze zusammengeklebt, im Backofen eben anstatt mit einem Lötkolben.

 

Entsprechend den Rezeptlisten wurden die Zutaten besorgt.

 

 

         
         
         
         
   

 

Andreas war der erste, der einen fertigen Stollen melden konnte. Aber seine Stimme klang ziehmlich deprimiert. Leider war dem Teig seines Prototypen kurz vor Fertigstellung irgendwie die Luft ausgegangen und so war das Backteil zu einem Blechkuchen mutiert.

 

Auch Christian musste erst die Zutaten beschaffen. Er stellte sie nach einem „Original Dresdner Stollenrezept“ aus dem Internet zusammen. Das Rezept war für sechs Personen portioniert, aber 2 kg Mehl hatten ein unerwartet großes Volumen. Als der Teig mit allen Zutaten schließlich fertig geknetet war, reichte er nicht für sechs Personen, sondern für sechs Stollen. Auch fiel ihm viel zu spät auf, dass Margarine als Fettträger nicht gerade typisch für ein Rezept aus dem 16. Jahrhundert war.

 

Wolfgangs Prototypen dagegen sahen schon viel professioneller aus, weil er schon als Kind gesehen hatte, wie's gemacht wird. Seine Stollen hatten lediglich Überbreite, so dass sie nicht mehr in eine Standardschachtel für Dresdner Christstollen passten.

     
         
       
         
         

Obwohl die Reifezeit der Stollen längst noch nicht erreicht war, stellten die Backkünstler ihre Werke im Rahmen eines kleinen Dresdner Stollen Kontestes auf der Clubstation DF0ANR zur Bewertung vor.

 

Die gegenseitigen Beurteilungen ergaben schnell das erste Resultat – keiner war durchgefallen. Noch erstaunlicher – es gab nur Testsieger. Sicher, der eine Stollen war etwas bitter, der andere etwas krümelig und der dritte bekam die Haltungnote acht.

 

Doch diese Geringfügigkeiten reichten nicht zu einer Bewertungsminderung. So ist als Fazit des kleinen Dresdner Stollen Kontestes festzuhalten:

Wer basteln kann, kann auch Stollen backen – und wer im Kraftfeld Dresdens lebt – auch einen Dresdner Christstollen.

 

Frohe Weihnachten,

bis zum nächsten Weihnachtsfest !

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