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Meine Erfahrungen mit der Schlackertaste

Gewidmet meinem Funkfreund Alex Pringle, GM3MAS, der mich auf den Bug gebracht hat

 

Als ich 1966 meine erste Amateurfunkgenehmigung erhielt, hatte ich bereits über längere Zeit als SWL mit einem selbstgebauten 0-V-1 Erfahrungen in CW gesammelt. Für mich stand fest, dass die Morsetelegrafie meine bevorzugte Betriebsart sein wird. Folglich fanden meine ersten QSOs in CW statt. Zunächst benutzte ich nur Handhubtasten, die aber auch gewisse Grenzen bezüglich der Gebegeschwindigkeit setzten. Ich empfand es wie einen Fünfer im Lotto, als mir ein OM eine einhebelige Doppelseitentaste schenkte. Es war eine FM-32 der DDR-Firma Jablonski. Eine solche Taste nennt man auch Sideswiper. Mit einer supereinfachen Elektronik mit nur einem Transistor und einem Telegrafenrelais baute ich mir einen Elbug, der zumindest bei einer bestimmten Geschwindigkeit ein einigermaßen vernünftiges Punkt-Strich-Pause-Verhältnis lieferte. Damit erarbeitete ich mir 1969 die Vorschläge für die HSC-Mitgliedschaft (# 627). Bei meinen QSOs fiel mir immer mal wieder eine ganz besondere Gebeweise einiger Telegrafisten auf, die kein einheitliches Punkt-Strich-Verhältnis verwendeten, sondern es schon innerhalb eines Zeichens etwas variierten, was zu einem Klangbild führte, das mich irgendwie betörte. Die Zeichen klangen nicht so einheitlich und steril wie von einem Maschinengeber oder einem Elbug. Es war eher wie Musik mit einem nicht zufälligen Rhythmus. Trotz der nicht ganz normgerechten Zeichen bereitete die Aufnahme des Textes keine Probleme, im Gegenteil, es kam sogar eine zusätzliche Freude auf. Fragte ich im QSO nach der verwendeten Taste, erhielt ich jedes Mal die Antwort: Bug bzw. Schlackertaste. In mir wuchs der Wunsch, irgendwann auch einmal mit so einer Taste geben zu können. Leider blieb es viele Jahre nur beim Betrachten von Fotos mit solchen Tasten.

 

Meinen Wunsch habe ich jedoch nie ganz aus den Augen verloren. Lange nach der politischen Wende, im Jahr 2009, hat ein befreundeter OM für mich einen japanischen Bug BK-100 von einem Flohmarkt erstanden. Meine anfängliche Euphorie legte sich jedoch schnell, als ich merkte, wie schwierig es ist, dieser Taste solche rhythmischen Zeichen zu entlocken. Ich hatte noch nie mit einer Schlackertaste gegeben und musste mich wohl erst einmal mit der Justage befassen. Im Zeitalter des Internets war es kein Problem. Anleitungen als Text oder Videoclip gab es genügend. Trotz vieler Versuche gab ich bald auf und schob meinen Misserfolg auf Materialermüdungen an den Teilen des schon etwas betagten Bugs, die ein Geben sauberer Zeichen nicht mehr ermöglichten. Fast wie im Märchen blieb mir nichts anderes übrig, als diesen „Schneewittchensarg“ in der Folgezeit mit traurigen Augen nur zu betrachten.

 

    

 

Japanischer Bug BK-100

 

Ein Jahr später, also 2010, legte ich mir einen nagelneuen und original verpackten Vibroplex Original Standard Bug zu. Ob er schon voreingestellt war, kann ich nicht sagen. Die ersten Zeichen die ich der Taste entlocken wollte, waren alles andere als hoffnungsvoll. Erstes planloses Drehen an den Einstellschrauben führten nicht zum Erfolg, wie sich jeder erfahrene Bug-Freund denken kann.

 

Trotzdem war mir klar, dieser neue Bug muss funktionieren. Sollte es aus irgendwelchen Gründen dennoch nicht klappen, kann es nur am Bediener liegen.

 

  

 

Bug aus den USA:

Vibroplex Original Standard

 

 

Wieder sah ich mir Videoclips und Texte über das Justieren solcher Tasten an  und begann, zielstrebig und schön der Reihe nach mit der Einstellung. Auch fand ich in meinem Werkzeugkasten eine Abstandslehre, so dass nichts mehr dem Zufall überlassen war. Als ich dann endlich eine genügend lange Punktfolge mit einem Punkt-Pause-Verhältnis von 1:1 erzeugen konnte, wusste ich, dass die Einstellung erfolgreich war.

 

 

    

 

Abstandslehre

 

  

 

Obwohl sich das Gewicht am Ende des Hebels befand, also auf niedrigster Geschwindigkeit, waren die ersten Zeichen jämmerlich und eher entmutigend, die ich der Taste entlockte. Jetzt war mir auch klar, dass mir ein längerer Leidensweg des Übens bevorstand, den ich aber unbedingt gehen wollte. Statt QSO zu fahren, übte ich im stillen Kämmerlein oft mehrmals täglich. Zum Glück lag meine QRL-Zeit hinter mir, und ich konnte mehr Zeit fürs Hobby aufwenden. Seit einem Jahr hatte ich regelmäßige Skeds mit meinem Funkfreund Alex, GM3MAS. Er schien in seinem Leben mit nichts anderem gegeben zu haben als mit Bugs. Seine Gebeweise war und bleibt für mich die Referenz überhaupt. Von ihm erhielt ich Tipps und weitere Einstellvorschriften. Ich weiß nicht mehr, wie viele Wochen ich brauchte, bis ich mich mit meinem Bug das erste Mal zu Alex aufs Band traute.

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Immer wieder passierte es, dass nach vielen guten Zeichen einige Zeichen kratzig klangen. Dieses Phänomen hielt ich zunächst für ein mechanisches Problem an der Taste, weil auch andere Ops auf dem Band bestätigten, dass bei diesem Typ Taste so etwas oft vorkommt. Besonders anfällig soll die Feder am Punktkontakt sein. Schließlich fand ich heraus, dass weniger Zeichen kratzten, wenn ich ein Stück weichen Schaumstoffs in diese Feder klemmte. Mit Stolz erzählte ich Alex von dieser Erkenntnis im nächsten Sked. Jedoch schien Alex davon wenig beeindruckt zu sein. Er sagte mir nur „das brauchst Du nicht“. Ein anderer OM, der auch anfing, mit Bug zu geben, hat sich gar eine Elektronik gebaut, die entprellend wirkt und diese Kratzgeräusche verhindern sollte.

 

 

Da ich nun immer öfter mit Bug auf auf den Bändern unterwegs war, besserte sich auch langsam meine Gebeweise. Fast unbemerkt blieb, dass es kaum noch kratzte. Jetzt erinnerte ich mich an Alex' Worte und entfernte den Schaumstoff. Und siehe da, es gab keinerlei Unterschied mehr. Die Zahl der angekratzten Zeichen blieb minimal, auch ohne Schaumstoff. Was war passiert? Wie lässt sich das erklären?

 

                   

 

 

 

 

  

 

 

Ein Stück Schaumstoff zum "Entprellen" in die Feder gesteckt

 

                                                                           
                           Mit häufigem Geben steigen zweifellos die Fertigkeiten beim Geben. Unbewusst bemerkt man, dass kratzende Zeichen bei einem bestimmten Timing beim Betätigen des Tastenhebels auftreten, und ebenso unbewusst wirkt man dagegen. Das heißt, der OP verbessert ständig und unbewusst dieses Timing.                                                                     
                         

 

Um diesen Effekt zu bestätigen, habe ich Zeichen gesucht, bei denen bei mir noch relativ oft Kratzeffekte auftraten. Das waren vor allem die Übergänge von Punkt zu Strich innerhalb eines Zeichens, vor allem, wenn ein Strich auf mehrere Punkte folgte. Ein solches Zeichen ist bei mir z.B. die „3“. Ausgerechnet Alex hat diese Ziffer in seinem Rufzeichen!

 

     
                            Also gab ich eine Serie Dreien und stellte fest, dass immer mal wieder bei einer Drei der Punkt-Strich-Übergang unsauber war. Also ist es doch logisch, dass diese Unzulänglichkeit nur auf den OP zu schieben sein kann. Fortan begann ich, diesen Punkt-Strich-Übergang bewusst mit einer kaum merkbar verlängerten Pause zu geben. Und schon war dieses Zeichen sauber.

   

                                                                                           

     

 

Jetzt passte ich auch bei Alex auf, wenn er sein Rufzeichen gab und stellte mit Schmunzeln fest, dass ich auch bei seiner Drei eine geringfügig verlängerte Pause ahnen konnte. Natürlich kommt diese Pause mit der Zeit so unbewusst wie ein Kraftfahrer beim Schalten die Kupplung tritt.

 

Da ich nun einmal dabei war, alle Unzulänglichkeiten meines Gebens auf mich zu schieben, nahm ich mir noch einmal den BK-100 vor und stellte ihn haargenau so ein, wie ich es mit dem Vibroplex-Bug getan hatte. Es passierte genau das, was ich schon ahnte: Jetzt funktionierte auch der BK-100 so, wie er sollte.

 

Daraus sollte man folgende Schlussfolgerungen ziehen:

 

  • Stelle den Bug nach Vorschrift ein!

  • Unsauber gegebene Zeichen werden vom Operator verursacht.

 

 

Meine Bugs habe ich wie folgt eingestellt:                                                                                    

 
 

 

 

              

 

 

 


                                           

 

 

 Zum Vergrößern bitte

 das Bild anklicken

 

 

 

                                                          

 

Erfahrene Telegrafisten schaffen es, ohne Hilfsmittel und nur mit dem Gehör ein Punkt-Pause-Verhältnis von 1:1 einzustellen. Sehr nützlich dafür ist aber auch die Verwendung eines Audio-Editors, z.B. WavePad (tnx Ron, DL5CL, für diesen Tipp). Dieses Programm lädt man sich auf den PC, z.B. von

 

http://www.computerbild.de/download/WavePad-910795.html

 

Eine vorher aufgenommene Audiodatei (z.B. als MP3) mit einem selbst gegebenen Text wird in den Audio-Editor geladen. Man kann dann sehr gut alle Zeichen- und Pausenlängen vermessen und die Einstellung am Bug korrigieren (Einstellschritt 4).

 

Wie schon erwähnt, hat mich besonders Alex (GM3MAS) beeindruckt, wie er seinen Bug beherrscht. Ihm zuzuhören, bereitet mir immer wieder Freude. Auch hat er mich bei meinen Bemühungen ständig ermuntert, so dass ich nie den Mut verloren habe.

 

Hier ist eine MP3-Sequenz aus einem QSO auf 30m im Jahr 2009:

 

Hilfreiche Links:

 

 BUG-Seite von Ron, DL5CL:

 http://www.dl5cl.de/bug.html

 

 CW-Seite von Ludwig, DK5KE:

 http://www.qsl.net/dk5ke/bug.html

 

 Denice Stoops, eine professionelle Funkerin (auch KI6BBR), am Bug:

 http://www.youtube.com/watch?v=2a4scmlC7tI

 http://www.youtube.com/watch?v=V3zwOZkYe_Q

 

Mit diesem Erfahrungsbericht möchte ich andere Interessierte ermutigen, nicht gleich bei ersten Misserfolgen die Flinte ins Korn zu werfen, sondern beharrlich dabei zu bleiben, den Bug zu meistern.

 

73 cwfe

Lothar, DL1DXL

 

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