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Bergfunk in Ostfriesland?

 

Mehr als ¼ Jahrhundert nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde es mal Zeit, als bekennender Sachse auch den Nordwesten unseres Landes kennenzulernen. Die XYL hatte eine hübsche Ferienwohnung in der Nähe von Norden herausgesucht, die in der 2. Mai-Dekade noch für 8 Tage Quartier bot.

Da wir mit dem Vierkreiser anreisen, war es keine Frage, auch etwas Funktechnik einzupacken. Wie schon zu erahnen war, zeigt die Landkarte in der besuchten Gegend kaum Berge, die für eine Wertung infrage kommen. Anhand des umfangreichen GMA-Programms (www.cqgma.eu) kann man aber auch andere Outdoor-Funkprogramme nutzen und somit außer Gelegenheits-QSOs auch den einen oder anderen Punkt beim Aktivieren sammeln, z.B. für:

 

         1.     Inseln des IOTA-Programms
  2.   Flora- und Faunagebiete DLFF
  3.   Leuchttürme
  4.   Inselerhebungen

 

 

Also wurden in der Vorbereitung diverse Quellen studiert und fleißig notiert.

 

Bei den Inseln ist das auf den ersten Blick relativ einfach: Alle 7 Ostfriesischen Inseln zählen zur IOTA-Referenz EU-047. Die Sache hat allerdings einen Haken: Als Festlandsurlauber muss man natürlich erst einmal auf eine dieser Inseln übersetzen, was in der Regel einen Tagesausflug bedeutet.

 

Bei den DLFF-Gebieten hat man in dieser Gegend eine kleine Auswahl. Am bekanntesten und flächenmäßig größten ist DLFF-0010 „Niedersächsisches Wattenmeer“, wozu fast die gesamte Küste und ein Großteil der Inseloberflächen gehören. Aber auch verschiedene kleinere referenzierte Naturschutzgebiete hörten sich gut an.

 

Die Annahme, dass es dort an der Küste vor Leuchttürmen nur so wimmelt, ist falsch: Wegen der vorgelagerten Inseln gibt es auf dem Festland in der näheren Umgebung nur einen einzigen Turm, während auf einigen Inseln Leuchttürme vorhanden sind. Hier trifft aber eben auch wieder die Notwendigkeit eines Tagesausflugs zu.

Wohl als kleinen Trost für fehlende „echte“ Berge haben die GMA-Macher für jede Insel mindestens eine wertbare Inselerhebung gelistet, für die das Kriterium „min. 100m über NN“ nicht gilt und die trotzdem 1 Punkt bringt.

 

                        
     

 

 

Mit diesem Wissen und dem Funkgepäck, bestehend aus dem Koffer mit HB-1B (80m bis 20m CW mit 5W), Automatiktuner T-1 und 10m-GFK-Teleskopmast als Vertikalantenne + max. 2 Radials für Kurzwelle und dem TH-F7E mit aufgesteckter Teleskopantenne RH-770 für 2m und 70cm FM, ging es auf die über 600 km lange Anreise. (Dass auch die XYL sowie ein paar sonst noch nötige Dinge mit an Bord waren, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen, hi.)

Gleich am Ankunftstag wurde noch das nur 8 km entfernte Wattenmeer in Augenschein genommen. Ein für uns Landratten ungewohnter Anblick, so ein Meer bei Ebbe ohne Wasser und die greifbar nah gegenüberliegende Insel Norderney.

 

                 
     

 

Bei dieser Gelegenheit wurde natürlich auch nach einem geeigneten Standort für späteren Funkbetrieb Ausschau gehalten. Da ich mich selbstverständlich an die Regeln von Naturschutz und GMA halte, ist die Standortwahl gar nicht mal so einfach:

 

                  
     

 

 

Das Schutzgebiet beginnt erst relativ weit hinter dem Deich (von Land aus gesehen). Außerdem gibt es ähnlich wie in unserem heimischen Nationalpark verschiedene Schutzzonen und nur in der sog. Zwischenzone darf man die Wege verlassen, während es in großen Teilen der Ruhezone gar keine öffentlichen Wege gibt, man diese Gebiete also gar nicht erst betreten darf. Glücklicherweise befindet sich aber genau in unserer Gegend der wohl letzte verbliebene Naturbadestrand des Wattenmeeres nahe der Ortschaft Hilgenriedersiel. Dass es dort auch zwei stabile Bänke gibt, die zum Funken einladen, lässt das Herz eines Kurzwellenamateurs höher schlagen. Zu meiner großen Überraschung gelang von hier aus auf Anhieb ein erstes QSO auf 145,500 MHz mit Timm, DL1BKT im ca. 15 km entfernten  Großheide. Er ist oft standby auf dieser Anruffrequenz und gab mir gleich noch ein paar Hinweise zur Situation auf den Bändern in seiner Heimat.

Da die Meteorologen (nur) für den folgenden Tag sonniges Wetter voraussagten, wurde spontan beschlossen, eine der Inseln zu besuchen. Die Wahl fiel auf das autofreie Langeoog mit seiner Inselbahn, die die Besucher vom Anleger in wenigen Minuten zum gleichnamigen Hauptort befördert.

 

                       
     

 

Wegen der wenigen Stunden, die zwischen Ankunft und Rückfahrt zur Verfügung stehen, wurde wiederum nur die Handfunke mitgenommen. Auch diesmal hatte ich Glück, denn vom Standort am ehemaligen Wasserturm gelang ein 2m-QSO zu Michael, der als DK7YGL/m auf dem Weg nach Hause in Esens war. Das Rufen nach weiteren Stationen wurde zugunsten einer weiteren Besichtigung der fantastischen Natur mit großen Sand-Dünen und –Stränden und dem Genießen des Insellebens aufgegeben, auch wenn dadurch keine wertbare GMA-Aktivierung von EU-047 erfolgte. 

Am darauffolgenden Tag sollten nun abends endlich die notwendigen 4 QSOs für eine wertbare Aktivierung des DLFF-0010 für den GMA-Triathlon ins Log gebracht werden. Das Wetter zeigte sich leider, wie vorhergesagt, nicht von seiner besten Seite und so kam es, dass bereits kurz nach dem Aufbau der KW-Station Wind, Regen und Gewittergrollen einsetzten

 

                        
     

 

und ich nach nur einem einzigen 40m-QSO mit SP2SV durchnässt den völlig ungeschützten Standort am Watt verlassen musste. Hier zeigte sich erstmalig, dass ich in Bezug auf Regenfestigkeit an der Ausrüstung (und an mir…) noch arbeiten muss.

Da es am nächsten Tag früh am Himmel noch ganz günstig aussah, wollte ich nun das Ziel unbedingt erreichen und fuhr zum neuen Anlauf an die gleiche Stelle. Leider hatte ich aber unbemerkt wohl Mc. Murphy mit im Gepäck und so begann erneut ein Wettlauf zwischen den erstrebten min. 4 QSO und der herannahenden Wolkenfront. Das erste QSO auf 40m mit Willi, DL2IAD, welcher selbst CQ rief, war schnell im Log. Leider lagen am Sonnabend gegen 08:15 UTC zu meinem Leidwesen noch keine WWFF-Jäger auf der Lauer und so zog sich die Suche nach weiteren Partnern immer weiter in die Länge. Hätte ich doch mal vorsichtshalber eine Ankündigung ins Netz gestellt, nun war es zu spät… Mit GB0YAM und DL5DXS waren inzwischen immerhin 3 Calls im Log. Inzwischen setzte der Regen immer mehr ein und ich hatte die Wahl, erneut unverrichteter Dinge abzubauen oder so gut es ging die Station und mich vor dem Regen zu schützen und auf baldige Besserung zu hoffen. Ich entschied mich für letzteres, zumal der Weg bis zum PKW als erste trockene Location auch fast 10 Minuten dauerte und inzwischen eh schon alles nass war. Aufzunehmen war auf Kurzwelle übrigens sowieso nichts mehr, denn der Regen war offenbar elektrisch aufgeladen, was zu einem sehr hohen Rauschpegel führte. Auf 2m zeigte indessen das TH-F7E, dass es notfalls auch im Regen funktioniert und so konnte ich von Timm erfahren, dass es bei ihm nur wenige Kilometer landeinwärts noch gar nicht regnet, was natürlich ein schwacher Trost war, hi. Nach ca. ½ Stunde Ausharren war es dann wieder möglich, die Antenne anzuklemmen und wenigstens ein letztes KW-QSO mit GB2ERW zu führen, bevor es recht aufgeweicht zurück zur Ferienwohnung ging. Glücklicherweise haben alle Geräte (und der OP) diese Härteprüfung ohne bleibende Schäden überstanden, aber für die Zukunft muss ich da besser vorsorgen.

An den Folgetagen war touristische Erkundung der interessanten ostfriesischen Landschaft mit ihren netten menschlichen und tierischen Bewohnern angesagt. Zwar wurde dabei auch der Pilsumer Leuchtturm  (DE0066)

 

                        
     

 

 

sowie das daneben liegende Naturschutzgebiet Leyhörn (DLFF-00274) erkundet, jedoch ohne Funktechnik: Auf UKW schnell mal ohne vorherige Ankündigung min. 4 QSOs abzuwickeln, wie man es im Dresdner Raum vom Berg durchaus gewöhnt ist, klappt mit meiner bescheidenen Ausrüstung sicher nicht. Und für den Kurzwellenbetrieb muss man auch die nötige Zeit und Muße für Auf- und Abbau mitbringen. Beides ist bei einem einwöchigen Familienurlaub knapp bemessen.

Stattdessen gelang aber noch eine weitere erfolgreiche Aktivierung: Nur eine Viertelstunde Autofahrt vom Quartier entfernt befindet sich das Naturschutzgebiet DLFF-0158 „Ewiges Meer und Umgebung“.

 

                    
     

 

Dabei handelt es sich um ein Hochmoor mit großer offener Wasserfläche, welches über einen 1,8 km langen Holzbohlenrundweg für Besucher erschlossen wurde.

 

                    
     

 

Nach der touristischen Erkundung inkl. Kaffee und Kuchen im nahegelegenen Restaurant reifte der Entschluss, am nächsten Tag noch einmal allein mit der Kurzwellentechnik zu einer Aktivierung hinzufahren. Dass auch diesmal Mc. Murphy eine steife Brise und ein paar Regentropfen schickte, konnte mich nicht abhalten, zumal es dort wenigstens einen kleinen Unterstand gibt. Die 10m hohe Vertikalantenne mit zwei am Boden liegenden gleichlangen Radials war schnell aufgebaut. Diesmal lief alles optimal: Da mir auf der WWFF-QRG 7024 kHz niemand antwortete, rief ich versuchsweise auf der um 8:15 UTC noch freien SOTA-QRG 7032 kHz CQ. Chris, F6EAZ, den ich von vielen Bergaktivitäten als treuen Anrufer kenne, setzte mich ins Netz und das daraufhin einsetzende kleine Pile-up entschädigte mich für die früheren Enttäuschungen: Nach 50 Minuten standen ohne jedes QSY immerhin 43 QSOs im Log! Und das mit QRP 5W an einer simplen Vertikalantenne. Der kleine HB-1B hatte wieder einmal bewiesen, dass er durchaus praxistauglich ist.

 

73 & AWDH!

Peter, DL6DSA

 

Dieser Beitrag war für den Sächsischen Bergkurier verfasst worden und kann hier als PDF herunter geladen werden. Die Veröffentlichung auch hier erfolgt mit Zustimmung der Herausgeber - TNX.

 

 

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