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Bericht vom OV-Abend am 16.07.2020

 

Der mit 20 OM gut besuchte OV-Abend fand seinen Höhepunkt in einem funkhistorischen Vortrag von Werner DL1VHF zum Thema „Die funktechnische Geschichte des Habichtsberges bei Stülpe im Fläming“. Der Habichtsberg ist ein 159m hoher Berg südlich von Berlin nahe dem Ort Stülpe. 1948 befahl die sowjetische Führung des SAG-Betriebes Sachsenwerk den Aufbau einer Richtfunkversuchsstrecke. Diese sollte über 6 Funkfelder und 250 km Nachrichten zuverlässig übermitteln. Die Strecke wurde von Berlin-Karlshorst über den Müggelturm, den Habichtsberg nach Süden zum Collm geleitet. Damit die 250 km erreicht wurden, baute man einen Umweg über den Steinberg bei Pulsnitz und den Valtenberg bei Neukirch nach Dresden ein. Der Habichtsberg erhielt einen eisernen Turm der mit Linsenantennen bestückt wurde. Mit dem Richtfunkgerät RVG-902 wurde 1948 die Versuchsstrecke erfolgreich getestet.

 

Die nächste Etappe am Habichtsberg wurde 1953 abgeschlossen. In Leningrad war unter Beteiligung deutscher Fachkräfte der Fernsehempfänger „Leningrad“ entwickelt und gebaut worden. Danach sollte im Wettlauf mit dem Westen auch in der DDR schnellstmöglich Fernsehempfang eingeführt werden. Das Ziel war, in Berlin Adlershof aufgenommene Sendungen über Richtfunk nach Leipzig zu übertragen, wo die neuen Fernsehempfänger „Rubens“ und „Rembrandt“ eine Attraktion zur Leipziger Messe werden sollten. Die Richtfunkstrecke nutzte die Trasse der existierenden Versuchsstrecke bis zum Collm, es wurden Antennen nachgerüstet. Von da ging es weiter zum Leipziger Europahaus. Bis die eigene Sendetechnik fertig war, nutzte man Fernsehaussendungen bundesdeutscher Sender und testete die Fernsehempfänger auf den Turmplattformen. 1953 konnte zur Leipziger Messe auf 34 Fernsehempfängern das neue Medium Fernsehen den Besuchern gezeigt werden.

 

1953 kam es in der DDR zu Streiks und Massenprotesten. Als Reaktion darauf ließ die SED-Führung das Richtfunknetz ausbauen und schloss daran alle Bezirksparteileitungen an.

 

1964 musste die Post den Habichtsberg aufgeben. Die NVA übernahm die Anlage auf dem Habichtsberg bis zur Wende 1989 für den militärischen Nachrichtenverkehr. Nach 1989 wurde die Anlage teilweise demontiert und noch verbliebene Technik fiel dem Vandalismus zum Opfer. Heute nutzen zwei Mobilfunkbetreiber den Habichtsberg.

 

Die Untersuchungen zum Habichtsberg haben Werner zu einem neuen interessanten Forschungsthema gebracht. Während die Nachkriegsgeschichte im Richtfunk noch durch Zeitzeugen und Publikationen gut belegbar ist, sind die Projekte und Bauten der Deutschen Reichspost zum Thema „Dezimeterwellen“ mit den „Kyffhäuser“-Funklinien wenig erschlossen und geben Anlass zur Mythenbildung. Hier können nunmehr öffentlich zugängliche Archivalien neues Material liefern. Wir wünschen Werner viel Erfolg bei seinen Erkundungen.

 

Organisatorisches für den September OV-Abend:

 

Der OV-Abend startet am Mittwoch, dem 9.9.2020 um 16 Uhr im Spartenheim der Kleingartensparte „Am Kanal“ in Moritzburg. Gerd DO1FEH wird einen Anfahrts- und Lageplan bereitstellen, Lothar DL1DXL wird ihn auf unserer Webseite veröffentlichen. Wir können den Grill des Spartenheims nutzen. Lothar und Gerd wollen Grillgut und Getränke einkaufen. Hardy DL1VDL wird Torsten DL3UT anfragen, für uns eine „Seniorenfuchsjagd“ zu ermöglichen. Falls Torsten verhindert ist, hat Gerd das Thema „Freifunk“ (freie WLAN-Zugänge) angeboten. Leckeres vom Grill und Getränke werden mit „runden“ Preisen versehen, so dass wir gemeinschaftlich die Mietkosten für das Spartenheim tragen.

 

Matthias, DD7NT

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