Remote mit Fritzbox und IC-7700

Ich hätte, rein zeitlich, schon mehrmals die Gelegenheit gehabt, aus Urlaubs- oder Enkel-QTH mit meiner Home-Station remote zu funken. Wenn, ja wenn….

Jens, DO1ISE, gab mir erste Tips und bot mir testweise an, mal mit seinem Flexradio remote zu funken. Ich musste nur die Bediensoftware SmartSDR auf meinen PC laden und ein paar Settings einstellen – schon war ich per Digimode remote mit dem Flexradio QRV.

Aber: Ich habe kein Flexradio! Ich habe einem nicht mehr ganz so neuen IC-7700!

DER IC-7700 benötigt für die Remote-Funktion die Icom-eigene Bedien-/Treibersoftware RS-BA1. Nur mit diesen speziellen Treibern ist es möglich, mit diesen Geräten per Netzwerk zu kommunizieren. Nach Installation und Verständnis der RS-BA1-Software und der Netzwek-Verbindung (Transceiver <-> Netzwerk Cross-Over-Kabel erforderlich!!) war ich zumindest soweit, im heimischen LAN den IC-7700 per Netzwerk steuern zu können.
Positiver Nebeneffekt ist, das externe Zusatzgeräte und deren Kabelei überflüssig werden. Das war aber nur der erste, recht kleine Schritt.

Remote aus dem Heim-LAN oder aus dem Internet sind aber zwei Paar recht verschiedene Schuhe: Die benötigte Hardware der Station (Transceiver, Antennen, evt. Zusatzgeräte) muss per Internet ein-/ausschaltbar gemacht werden, denn niemand wird Teile seiner Station immer eingeschaltet lassen, nur um mal aus der Ferne zu funken.
Als Schaltmöglichkeit bieten sich Schaltgeräte aus dem Smart-Home-Bereich an, die sich per Internet (Smartpohe-App oder Webbrowser) betätigen lassen. Jens, DO1ISE, schlug mir ein ‚Shelly‘-Schaltgerät vor. Ich benutze eins mit 3 Kanälen == 3 pot-freien Kontakten (230V/16A pro Kontakt). In einer klassischen „Brettschaltung“ schalte ich mit einen Kanal des ‚Shelly‘-Gerät’s Schukosteckdosen, die Transceiver und 12V-Netzteil versorgen. Meine 2 manuellen Amtennenumschalter mussten 12V-Koaxrelais weichen – so das auch die Antennen mit ein-/ausgeschalten werden.
Wer im 230V-Handling nicht 100% sicher ist, sollte sich Hilfe holen!! Damit Gesundheit und Geräte keinen Schaden nehmen!!

Das ist die Bedienoberfläche des ‚Shelly‘-Schaltgerätes im Webbrowser. Wer im Webbrowser ‚http:://192.178.168.IP des Shelly‘ eingibt sieht dieses Bild und kann das Shelly komfortabel einstellen/bedienen. Alternativ gibt es das auch als Smartphone-App.

Softwareseitig ist eine sichere („getunnelte“ == private!) Verbindung von eigenen (entfernten) Remote-Rechner zum heimischen Router erforderlich!

Da das klassische VPN eine statische IP-Adresse (oder einen Zusatzdienst, der die eigene, nie statische IP, statisch aussehen lässt) erfordert, habe ich mich für den Wireguard-Dienst entschieden. Bei FritzBoxen (ab einen gewissen Betriebssystemstand) lässt sich dieser Dienst einfach einrichten. Erforderlich ist ein MyFritz-Konto-Account, den man sich von der Fritzbox aus per E-Mail/Kennwort anlegen muss. Bei Einrichten von WireGuard danach erfolgen ein paar Abfragen, wie man auf die Fritzbox von außen zugreifen will. Danach
wird eine Sicherheitsdatei erzeugt, die man auf den Rechner, der für den Remote-Betrieb genutzt werden soll, kopieren muss. Fritz hat deutsche, technisch sehr gute, aber dennoch einfach erkärte Videos auf Youtube, die das Einrichten sehr erleichtern.

Die Bedienoberfläche des WireGuard-Clients. Durch die (vorher mit der Fritzbox erzeugten) Sicherheitsdatei und dem ‚Aktivieren‘-Button ist die Umschaltung zwischen sicheren (Tunnel)-Betrieb über den heimischen Router oder (bei nicht aktivierten Button) Betrieb direkt ins Netz möglich.

Für einen ersten Test habe ich den Wire-Guard-Client und die Sicherheitsdatei auf den späteren Funk-Laptop installiert. Ich habe am Smartphone WLAN ausgeschalten und einen Hotspot erzeugt. Diesen Hotspot habe ich in den WLAN-Einstellungen des Laptops ausgewählt. So konnte ich über die mobilen Daten meines Smartphones funken! Hat man im Gast-QTH ein funktionierendes WLAN, schont das natürlich das Datenvolumens des Smartphones.

Die Icom-RS-BA1-Software stellt nur EINEN virtuellen COM-Port für die CAT zur Verfügung! Das heißt: Entweder die RS-BA1-Bediensoftware ODER das Digimode-Programm können auf diese COM zugreifen – beides ZUGLEICH funktioniert nicht!
Um mit dem Transceiver „händisch“ CW/SSB zu machen, reicht diese eine COM. Wer aber auf die Idee kommt, eine Logsoftware mit CAT-Anbindung zu verwenden, hat schlechte Karten.

Eine CAT-Server-Funktion, mit dem die konfliktfreie Zugriffs-Koordination mehrerer COM-Ports auf die CAT erfolgt, hat diese Software nicht.

Ohne benutzbare Bediensoftware war mein Digimode-Bedienkomfort recht eingeschränkt, da ich weder die QRG verschieben konnte, wenn die DX-Station recht am Frequenz-Segmentende war, noch die Antennen auswählen. Alle gängigen Digimode-Programme verfügen weder über einen „VFO-Knopf“ zum Verschieben der QRG oder eine Frequenzdirekteingabe oder eine Antennenumschaltung.

Das ist ein, hoffentlich bald folgender, zweiter Beitrag über eine modifizierte JTDX-Software.

In wie weit sich diese Software-/Hardware-Konstellation auf andere, ähnlich alte (Icom)-Transceiver übertragen lässt, kann nur durch eigene Überlegungen/Tests herausgefunden werden. Dafür soll dieser Beitrag als Anregung für eigene Überlegungen dienen!

73 de Matthias, DL3VCO (dl3vco@gmx.de)

Remote mit Fritzbox und IC-7700