SOTA TV Schneeberg 1936

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  • Beitrag zuletzt geändert am:8. März 2022
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BAHNBRECHER DES FERNSEHENS ODER ERSTE ZUSCHAUER AUF DEM TURM


Entdeckt von Gerd, DO1FEH

Als am 17. Mai 1890 in Tetschen (Děčín) Matthias Färber geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass er später zu einer wichtigen Persönlichkeit für das Entstehen und die Entwicklung des Fernsehens wird.

Heute ist er kaum bekannt, vielleicht infolge seiner deutschen Nationalität und der Zeit, in welcher er lebte. Niemand würdigt die Arbeit des Professors der schon vor dem Krieg in der Städtischen technischen Lehranstalt (heute technische Fachschule) in Bodenbach (Podmokly) in den 30er Jahren die Ultrakurzwellen Ausbreitung erforschte. Dazu bot es sich an systematische Empfangsversuche des etwa 200 km entfernten deutschen 180 Zeilen Fernsehsender „Paul Nipkow“ (Berlin- Witzleben) mit seinen Ausstrahlungen auf 6,772 Metern (44,3 MHz) sowie der Tonwelle 7,06 Metern (42,493 MHz) vorzunehmen. Prof. Färbers Ausgangsbasis war einerseits von der optischen Ausbreitungsgrenze ultrakurzer Wellen geprägt, wo bei 130km Luftlinie kein Empfang sein könnte, aber auch der Kenntnis, dass es zu gelegentlichen Reichweitenüberschreitungen kommen kann. Auf dem Heimweg von einer Schneebergwanderung fasste er die Absicht messtechnische Untersuchungen zu den tatsächlichen Ausbreitungsbedingungen anzustellen. Der Hohe Schneeberg stellte mit 750 m mit Turm einen idealen Standort für Reichweitenversuche dar. Färber konstruierte einen UKW Empfänger mit Batteriebetrieb, am 24. August 1936 machte er sich auf, um auf dem Schneeberg einen Versuch zu starten.

Professor Matthias Färber

Wie ging es weiter? Hier ein Ausschnitt aus seinem Bericht, welcher im Heft „Das Eulautal im Wandel der Zeiten“ im Jahre 1936 veröffentlicht wurde: „…an einem sonnigen Nachmittag machte ich mich mit zwei Gehilfen und allen Geräten zum Aussichtsturm am Hohen Schneeberg auf. Oben auf den Turm befestigte ich die teleskopische Antenne und schloss alle Geräte an. Plötzlich änderte sich das Wetter, Wolken, Blitze, Donner, ein starker Regen lies nicht lange auf sich warten, also mussten wir alle Geräte unter Dach bringen. Ich hatte schon Bedenken, ob die Atmosphärischen Bedingungen nicht unseren Versuch stören. Ich stellte die nötigen Wellenlängen ein, über den Hörer konnte ich das sich entfernende Gewitter hören, plötzlich – was für ein Glück! Die ersten Worte und Töne waren zu hören. Abends um 8 Uhr zeigte sich auf dem Bildschirm der Sprecher und leitete das Abendprogram ein: „hier ist der Fernsehsender Paul Nipkow“. Mit meinen Kollegen verfolgten wir das Abendprogram bis 21 Uhr, dann packten wir unsere Geräte ins Auto und glücklich über den Erfolg fuhren wir durch die warme Sommernacht zurück nach Bodenbach (Podmokly).“

Dieser Versuch bestätigte die Möglichkeit das Signal auch auf so große Entfernung zu empfangen. Professor Färber baute auch den ersten Fernsehempfänger auf unserem Gebiet. Und wie endete alles? Matthias Färber blieb das ganze Leben lang alter Junggeselle. Sein Leben widmete er den Kindern, welche er in der Wissenschaft bildete. Er war einer von denen, die nicht evakuiert worden, bis zu seinem Tode am 3. Mai 1958 lebte er in Děčín, mit Unrecht vergessen.

Quelle: DIE STEINERNE DAME oder das Leben des Aussichtsturmes und unter dem Aussichtsturm Petra Nedvědová, Historischer Rückblick – Teil 2, Herausgeber – Stadt Jílové, Übersetzung Uta Boušková – http://www.belplasca.de/temp/schneeberg.pdf

Gerd, DO1FEH

Computer sind für mich kein Problem, ich arbeite mit W10 und Linux, gern wird mit mehreren RPi gebastelt, ich nutze u.a. C4FM, DMR (BM 2622931), FT8, VarAC und im LoRaWAN.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hartmut Büttig

    Lieber Gerd,
    danke für deinen sehr interessanten Beitrag. Wir waren schon mehrfach auf dem Schneeberg, offenbar „blind“, hi.
    73 Hardy

    1. SchneebergradlerDer Hohe Schneeberg (Decínský Snežník) gehört zu meiner Lieblingsgegend, gern bin ich im Cunnersdorfer Forst unterwegs und war einer der ersten „Hüttenschläfer„. Bei guter Fernsicht ist der Turm von Coswig aus zu sehen und der Blick vom Schneeberg nach Dresden ist wunderschön. Oft bin ich in der Katzsteinbaude Cunnersdorf und gebe auch gern Auskunft über Wandertouren in dieser herrlichen Landschaft.
      73 Gerd

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