Zentralsteuerung für die Funkstation

Zentralsteuerung für die Funkstation

von Matthias, DD7NT

Einführung

2011 bestand meine Funkstation nur aus einem TS-480HX mit einem 40-A-Netzteil, einer Morsetaste, dem Handmikrofon und einem Multidipol auf dem Dachboden. Im Laufe der Zeit kamen neue Geräte hinzu: Mehrere Außenantennen und ein Antennenumschalter, eine Röhren-PA, Transverter für 6 m und 4 m, ein TRX für 2 m und 70 cm, diverse Keyer, einige Morsetasten, ein Anschlusskasten für mehrere Tasten u.a.m.. Im Shack wurde es langsam eng und unübersichtlich. Kann eine Zentralsteuerung die Situation verbessern?

Ab 2019 habe ich die Station modernisiert. Als erstes wurde der TS-480 gegen einen TS-890 getauscht. Damit entfielen die Transverter für 4 m und 6 m. Der TM-V-71E für UKW wurde 2020 durch einen IC-9700 ersetzt und dient nun als Portabelgerät. Damit sind jetzt auf UKW auch SSB- und CW-Betrieb sowie Satellitenbetrieb möglich.

Als Stationssoftware war lange Zeit die freie Version von Hamradio de Luxe im Einsatz. Mit dem Wechsel der Transceiver musste etwas Neues her. Zuerst hatte ich es mit Logger32 versucht, fand aber danach mit DXLab die passende und rundum komfortable Lösung.

Den letzten Impuls zum Aufräumen gaben die Kopfhörer. Davon gab es auf dem Tisch drei. Einer steckte am PC, ein zweiter am TS-890 und der dritte am IC-9700. Das führte regelmäßig zu verwickelten Kabeln. Häufig habe ich den falschen Kopfhörer gegriffen – eine Quelle ständigen Ärgers. Der Entschluss, der die Aufräumaktion angestoßen hat: Nur noch ein Kopfhörer!

Das hätte mit einem Drehschalter und einem kleinen Gehäuse einfach gelöst werden können. Aber wenn schon schalten, warum nicht mit dem einen Ohr den Betrieb des Sächsischen Bergwettbewerbs auf UKW verfolgen und mit dem anderen Kurzwelle hören? Und noch ein neues Kästchen? Das war der Anlass, auch über die Steuerung der Station nachzudenken.

Seit diesem Zeitpunk ist mehr als ein Jahr vergangen und das Aufräumen hat einen vorläufigen Abschluss gefunden. Neu gebaute Komponenten zur Steuerung entstanden „iterativ“ auf Lochrasterplatten. Fertige Platinen wurden z.T. mehrmals geändert und verbessert. Für die Verdrahtung auf der Platinenrückseite wurde 0,2 mm CuL verwendet, was Änderungen deutlich erleichterte. Was ist übrig geblieben, wie funktioniert es, was davon hat sich bewährt und als nützlich erwiesen?

Gerätebestand nach dem Umbau

Die aufgeräumte Station

Regal oberes Fach von links nach rechts:

  • Rotorsteuergerät ARCO. Der auf Kurzwelle ab 20 m verwendete Hexbeam wird mit DXLab gesteuert.
  • Verteiler für die Betriebsspannung der Transceiver
  • GPSDO von Leo Bodnar zur besseren Frequenzstabilisierung des IC-9700
  • Linearnetzteil PT135A 13,5 V/35 A PEP und 20 A Dauerlast, passiv gekühlt. Es ersetzt die bislang zum Teil kurzlebigen Schaltnetzteile und ermöglicht einen zuverlässigen Betrieb der beiden Transceiver.

mittleres Fach von links nach rechts:

  • Ganz links steht „Schaltzentrale“ mit dem Antennenschalter (oben). Darunter, in einem zweiten Gehäuse der Audioschalter und der Tunersequencer. Die Steuerung dieser Geräte erfolgt über DXLab. Die benötigte Antenne wird beim Bandwechsel automatisch geschaltet, zudem wird ein Abstimmvorgang für den TS-890 angestoßen. Dieser läuft in der Regel automatisch ab. Die Auswahl der Audiokanäle erfolgt über eine Schaltfläche in DXLab.
  • WinKeyer USB für gelegentlichen Kontestbetrieb
  • IC-9700
  • Ein umgebautes Netzteil SP-607 versorgt die Zusatzgeräte Keyer, Antennentuner, Antennenschalter, Audioschalter und GSPDO.

unteres Fach von links nach rechts:

  • Der sequenzergesteuerte Antennentuner AT-1000pro stimmt die jeweils zugeschaltete Antenne ab. Bei einem Frequenzwechsel innerhalb eines Bandes kann über eine Schaltfläche unter Kontrolle des Kreuzzeigerinstruments neu abgestimmt werden.
  • PA ACOM-1000. Die Röhren-PA muss als einziges Gerät noch manuell abgestimmt werden. Dazu dient der oben aufliegende Taster. Mit der Schaltfläche im DXLab wird die PA zugeschaltet. Bei Bandwechsel wird die PTT-Verbindung zwischen PA und TRX automatisch getrennt, um Fehlanpassungen zu vermeiden.
  • Über dem Antennentuner rechts oben hängend: Eigenbau-Keyer für 3 Handtasten / Bugs und 2 Paddlles. Der Ausgang des Keyers kann per Drucktaste oder über den DXCommander dem TS-890, dem IC-9700 oder der Frontbuchse zugeschaltet werden. An der Frontbuchse können QRP-Transceiver angeschlossen werden. Links daneben befindet sich die Trennstelle zu der jeweils geschalteten HF-Atenne. Im normalen Betrieb ist sie mit einem kurzen Kabel überbrückt. Bei Bedarf kann hier der Netzwerkanalyzer für Antennenmessungen oder der Antennenausgang eines QRP-Transceivers angeschlossen werden.

DXLab als Verbindungsglied und Steuerkomponente

Die DXLab-Suite ist eine umfangreiche und komplexe Open Source Freeware für den Stationsbetrieb, die in den USA weit verbreitet ist und von Dave Bernstein AA6YQ gepflegt wird. In Deutschland hat sich Eike Barthels DM3ML (sk 2011) die Mühe gemacht, eine umfängliche deutschsprachige Dokumentation über die DXLab-Suite zu erstellen. Seitdem ist viel Neues dazugekommen. Wer heute DXLab nutzen will, ist auf das umfangreiche englischsprachige Wiki und auf die DXLab Mailingliste angewiesen [1]. Diese Einstiegshürde muss man überwinden.

DXLab ist ein modulares Programm. Einzelne Module können auch separat verwendet werden. Sie tauschen untereinander Daten aus und unterstützen eine flüssige Arbeitsweise.

  • DXLab Launcher: Die Startkomponente ist für das Hochfahren und Beenden der übrigen Komponenten zuständig. Über den Launcher werden Updates für Software und diverse Datenbanken komfortabel eingespielt. Einstellungen und Daten können hier gesichert werden.
  • DXLab Commander ist die Steuerkomponente für Transceiver. Für sehr viele Transceivertypen findet man hier einen Grundstock an Steuermöglichkeiten. Diese kann man beliebig mit eigenen, mehr komplexen Steuerfolgen erweitern. Bis zu 4 Transceiver können gesteuert werden. Die SO2R-Schnittstelle des Commanders ist die Basis für die Steuerung weiterer Geräte.
  • DXKeeper heißt die Logbuchkomponente von DXLab. Die Logdatenbank auf der Basis einer Microsoft-Access-Datenbank enthält viele Schnittstellen sowie umfangreiche Import- und Exportfunktionen. Für die Suche im Log sind vordefinierte Funktionen vorhanden. Eigene Suchfunktionen kann man in Form von MS-SQL-Anweisungen hinzufügen.
  • DXView sammelt Daten über die Station, die gearbeitet wurde oder gearbeitet werden soll. Die ermittelten Koordinaten werden dem Rotor mit einem Button zur Einstellung auf den „Shortpath“ oder „Longpath“ übermittelt.
  • PathFInder stellt die Verbindung zu QRZ.com, Buckmaster und anderen Stationsdatenbanken her und hilft bei der Suche nach Stationsdetails und QSL-Routen.
  • Spotcollector sammelt Spots von dxsummit.fi und bis zu 4 weiteren konfigurierbaren Clustern und führt diese in einer Datenbank zusammen. Die Spots können mit fertigen oder selbst definierten Filtern dargestellt werden.
  • PropView gibt einen Überblick über die aktuellen Ausbreitungsbedingungen.
  • Winwarbler heißt die Digi-Komponente des DXLab. Sie unterstützt PSK, RTTY sowie die CW-Ausgabe Im Textformat.

SO2R und SO2R-Erweiterung in DXLab

„SO2R“ = Single Operator 2 Radios. Für Contester eine Teilnahmeklasse, in der mit einem TRX auf einem Band gearbeitet wird, während gleichzeitig auf einem anderen Band mit einem zweiten TRX nach Multiplikatoren gesucht wird, um diese gegebenenfalls auch zu arbeiten.

Dafür implementieren Steuerprogramme (N1MM, Logger32, DXLab u.a.) Protokolle, die diese Arbeitsweise unterstützen. Der Umfang der unterstützten Nachrichten variiert. Einen Rahmen definiert das OTRSP-Protokoll [2].

DXCommander

SO2R Nachrichten

Der DXCommander sendet bei aktiviertem SO2R-Port via RS232 Statusmeldungen über den aktiven Transceiver (TXn, RXn) und die gewählte Frequenz im Format „BANDnff“ mit n = Nr. des TRX und ff = Frequenz in MHz. Wenn man SO2R in DXLab aktiviert und am Transceiver einen Bandwechsel vornimmt oder auf einen anderen Transceiver wechselt, werden Nachrichten über den SO2R-Port wie im links abgebildeten Beispiel ausgegeben.

Oberfläche des DXCommander

Diese Nachrichten reichen bereits aus, um eine Antennenumschaltung bei Bandwechsel im HF-Bereich vorzunehmen. Diese Funktionalität nutzt der Antennenschalter für die automatische Antennenumschaltung.

Mit dem DXCommander kann man über den SO2R-Port aber auch beliebige eigene Kommandos senden. <SO2R text> gibt „text“ über den SO2R-Port aus. Damit lassen sich beliebige andere Geräte steuern.

Funktionsweise des DXCommanders

  • DXLab bietet zur Steuerung für jeden der vielen unterstützten Transceiver eine Grundfunktionalität an, die „out of the box“ – d.h. eigenständig ohne zusätzliche Erweiterungen funktioniert. Für die Grundfunktionen Frequenzwahl, Betriebsart, Splitbetrieb und VFO-Auswahl werden Daten zum TRX gesendet und die Antworten vom TRX ausgewertet. Die Beschränkung auf den kleinen Satz von Grundfunktionen stellt sicher, dass der Programmumfang von DXLab in einem beherrschbaren Bereich bleibt. Diese Funktionen sind in der Oberfläche des DXCommanders oben rechts zu finden. Oben links wird die aktuell gespeicherte Frequenz angezeigt. Darunter befinden sich die Buttons und Slider, die für eigene Funktionen genutzt werden können. Die Slider sind für analoge Einstellungen wie z.B. Lautstärke oder Ausgangsleistung konfigurierbar.
  • Eigene Funktionen definiert man selbst auf Basis der Kommandoreferenz des jeweiligen Transceivers und den im DXCommander eingebauten speziellen Funktionen. Man kann bis zu 32 eigene Kommandosequenzen und bis zu 16 Slider definieren und die Kommandosequenzen per Klick auf den jeweils zugeordneten Kommandobutton ausführen.
  • Jede Kommandosequenz kann bis zu 128 Einzelkommandos umfassen. Die Beschriftung und Farbe des zugehörigen Buttons kann dabei geändert werden. Die momentane Beschriftung eines Buttons kann abgefragt werden, so dass mehrere Teilkommandos wie z.B. TRX ein / TRX aus, Tunen Ein / Tunen beenden, schrittweises Verändern der Breite des Wasserfalls von 5kHz bis 200 kHz zu einer Kommandosequenz zusammengefasst werden können (siehe Beispiel unten).
  • Die Kommandos aus einer Kommandosequenz werden zum TRX über dessen Port gesendet. SO2R-Kommandos werden über den separaten SO2R-Port gesendet. In beiden Fällen werden keine Daten vom TRX oder von anderen Geräten empfangen.
Kommandosequenz „Abstimmung“

Struktur des TUNE-Kommandos

In den Zeilen 1 und 2 wird abgefragt, welche Beschriftung der Tune-Button momentan hat. Initial (durch einen Initialisierungsscript definiert) ist das „Tune“. Es wird zur Zeile 5 verzweigt. Das SO2R-Kommando „TU2“ wird abgesetzt und aktiviert den Tune-Sequenzer, der den Abstimmvorgang einleitet. Dieser wird beim expliziten Abstimmen per Kommando nicht automatisch beendet. Die Beschriftung wird in Zeile 6 in „Stop Tune“ geändert. Wird nun der Button erneut gedrückt, erfolgt die Verzweigung zur Zeile 10. Mit dem SO2R-Kommando „TUE“ wird der Tune-Vorgang beendet. Die Ausgangsleistung des TRX wird auf 95 W gesetzt, der Power-Slider wird nachgeführt (Zeile 12), und die Beschriftung wechselt wieder auf „Tune“ (Zeile 13). Auf diese Weise sind alle Kommandos zur Steuerung der Audioauswahl und -ausgabe, zur Schaltung der UKW-Antennen (Bergfunk oder SAT-Betrieb), zum Tunen und zur Schaltung der PTT-Leitung zur PA implementiert worden.

SO2R über RS232 oder RS485 ?

Die SO2R-Ausgabe erfolgt über eine serielle RS232 COM-Schnittstelle. Die Parameter Baudrate, Datenbits, Parität und Stopbits können frei festgelegt werden. Für die kurzen Kommandos reicht eine langsame Übertragung mit 2400 Baud aus. Das RS232 Protokoll stellt eine 1:1 Verbindung zwischen einem Sender und einem Empfänger her. Sender ist immer DXLab, der Empfänger wäre dann zunächst der Antennenschalter. Stellt der Antennenschalter einen Bandwechsel fest, soll er ein entsprechendes Tune-Kommando auslösen. Will man nicht alle Funktionen wie Antennenwahl, Audiosteuerung, Tunen usw. in ein Gerät packen, kann anstelle des RS232-Protokolls das RS485-Protokoll verwendet werden. Auf der logischen Ebene sind RS232 und RS485 identisch. Auf elektrische Ebene unterscheiden sie sich.

Die wichtigsten Eigenschaften der RS485-Schnittstelle:

  • Die Signale werden über 2 Leitungen übertragen (meist als A+ und B- bezeichnet).
  • Wenn A-B < -0,2 V -> logischer Wert 1, Wenn A-B > 0,2 V -> logischer Wert 0. Bei Übergang von 0->1, 1->0 werden die Spannungen an A und B mit schnellen FETs umgetastet. Da Signalwerte bereits bei Differenzen > 0,2 V erkannt werden, sind große Leitungslängen von 500 m und mehr möglich. Die Übertragung ist sehr störunanfällig. Die RS485 wird in der Industrie als „Feldbussystem“ z.B. zur Messwerterfassung eingesetzt.

Für Datenraten bis maximal 19,2 kBit/s werden dämpfungsarme verdrillte Kabel mit einer Impedanz von 120 Ohm verwendet. Der RS485-Standard ist für den bidirektionalen Datenverkehr (Halbduplex) von bis zu 32 Modulen konzipiert. Eine gemeinsame Masseleitung ist möglich, aber nicht unbedingt erforderlich. Für die Anwendung im Shack reicht bei niedriger Übertragungsgeschwindigkeit und kurzen Kabellängen Audiokabel oder geschirmtes Mikrofonkabel für die Datenübertragung aus. Man soll beide Enden der RS-485-Leitung mit 120-Ohm-Widerständen abschließen, um Reflexionen zu vermeiden.

Komponenten für die RS232 / RS485

USB-RS485-Konverter

Ein preiswerter Konverter von USB->RS485 aus Fernost verbindet den PC mit dem RS485-Bus. Die kleine Platine im Stick ist nur im vorderen Teil befestigt und empfindlich gegen Biegung. Der Stick wurde auf einem Lochrasterstreifen befestigt und der Anschluss an den Schraubverbindungen erfolgte zugentlastet mit 0,2 mm CuL. Der Konverter ist nicht kurzschlussfest. Zum Schutz kann man zwei Längswiderstände von je 56 Ohm verwenden.

RS485 – RS232/TTL-Konverter

In den Steuergeräten wurden Konverterplatinen von RS485 nach RS232 (TTL, Pegel 5 V) verwendet. Die RS232-Seite wird direkt mit den Daten-PINs TxD und RxD des ATMEL-Prozessors verbunden.

Eigenbaukomponenten

Zur Steuerung der Station entstanden nacheinander vier Komponenten: Ein Antennenschalter, ein Audioschalter, ein Tunersequenzer und ein CW-Keyer. Parallel dazu wurden die Steuerprogramme mit dem ATMEL-Studio 7 erstellt und getestet. Für den Antennenschalter und den CW-Keyer wurden die Gehäuse der Vorgänger „recycelt“. Der Audioschalter bekam gemeinsam mit dem Tunersequenzer ein neues Gehäuse.

Antennenschalter

Der Antennenschalter empfängt die SO2R-Nachricht „BANDnff“ (n=TRX-Nummer, ff=QRG in MHz) und weitere Kommandos über RS485, wertet sie aus und schaltet die passende Antenne zu. Die Anzeige der aktuell geschalteten Antennen (1 aus 4 x HF und UKW oder UKW SAT) erfolgt auf einem 2×16-Zeichen-Display. Zur Schonung des Displays wird nach 60 Sekunden die LED-Beleuchtung abgeschaltet, kann aber per Kommando jederzeit wieder zugeschaltet werden. Zum Antennen- oder Bandwechsel wird via RS485 ein „TUNE“-Kommando gesendet und der Vorgang durch eine akustische Meldung in CW quittiert. Für 2 m und 70 cm kann per Kommando auf normalen Betrieb (Bergfunk mit Yagi) oder Satellitenbetrieb (Turnstyle-Antennen für 2 m und 70 cm) geschaltet werden. Mit dem Drehencoder ist auch manuelles Schalten aller Antennen für gelegentlichen QRP-Betrieb möglich.

Antennenschalter

Die HF-Schaltrelais für Leistungen bis 750 W befinden sich in einem Anschlusskasten am Mastfuß. Die Schaltleitungen zu den Relais werden im Rotorkabel mitgeführt, das entsprechend mehr Adern hat.

Ein ATmega8 dekodiert die Kommandos und schaltet über ein Darlington-Array die Relais. Zur besseren HF-Isolation werden die Relais am Mastfuß indirekt über Reed-Relais im Antennenschalter geschaltet, die zusätzlich gegenüber der HF abgeblockt sind.

Der Schaltstrom zum Schaltkasten wird gemessen und im Display zur Kontrolle angezeigt. Wenn kein Schaltstrom fließt (Antennenkabel und Rotorkabel nach Gewitter noch abgezogen), wird ein Fehler signalisiert.

Audioschalter

Der Audioschalter hat 3 Stereoeingänge. 6 Relais schalten beliebige Kombinationen aus den 3 Audioquellen TS-890, IC-9700 und PC-Soundkarte auf die rechte oder die linke Kopfhörermuschel. 6 Audioübertrager sorgen für die galvanische Trennung. Anstelle des Kopfhörers können auch 2 Lautsprecher zugeschaltet werden. Das „Stereohören“ hat sich beim Verfolgen nicht angekündigter Bergfunkaktivitäten parallel zur Kurzwelle und beim Satellitenfunk bewährt.

Audioschalter

Im Audioschalter werkelt ein ATmega328P, die Relais werden auch hier über ein Darlington-Array ULN2003 geschaltet. Bei Kopfhörerbetrieb wird die Leitung zu den Lautsprechern kurzgeschlossen, um Brummeffekte durch Einstrahlung zu vermeiden. Die Lautstärkeregelung erfolgt weiterhin an den Transceivern per Knopf oder per Slider im DXLab-Commander. Die Audioübertrager sind nahezu verlustfrei, so dass für den Kopfhörerbetrieb keine Verstärkerbausteine benötigt werden. Der Audioschalter steuert über einen freien Port auch den Tunersequenzer und den CW-Keyer. In beiden wurden ATtiny13-Prozessoren verbaut, die keine serielle Schnittstelle haben.

Der ATmega328 im Audioschalter erkennt die entsprechenden Kommandos und erzeugt einen „Adressimpuls“ und danach einen „Kommandoimpuls“. Diese werden über einen 1-Draht Bus an die ATtiny13 gesendet. Die Länge der beiden Impulse wird in 10-ms-Schritten ausgewertet und liefert die Werte 1 bis 8. Damit können 8 Adressaten mit je 8 Kommandos gesteuert werden. Die Impulse werden durch eine Pause von 5 ms getrennt.

Tunersequenzer

Der Tunersequenzer verarbeitet vier Kommandos:

  • Starten eines Speichertunings mit automatischer Abschaltung. Dazu wird für > 1,3 Sekunden ein 10-W-CW-Signal an den Antennentuner AT1000pro gelegt und dieser wird über seine PTT-Schnittstelle eingeschaltet. Diese Zeit nutzt der Tuner zur Bestimmung der Frequenz und zur Suche im Speicher. Dann wird die PTT des Tuners „losgelassen“ und für den Tunevorgang wird das Signal noch 3 Sekunden gehalten. Danach wird das 10-W-Signal abgeschaltet.
  • Starten des Speichertunings ohne anschließendes Abschalten. Dieses Kommando wird für Frequenzwechsel im Band verwendet, wenn durch einen größere Frequenzdifferenz ein erneutes Abstimmen erforderlich wird. Es kann im Anschluss bei Bedarf ein kompletter Abstimmvorgang manuell eingeleitet werden oder die Abstimmung kann korrigiert werden. Das manuelle Speichern der Abstimmwerte ist ebefalls möglich.
  • Tunen beenden. Dieses Kommando schaltet das Abstimmsignal, die Tuner-PTT und die PTT-Leitung zur PA ab.
  • PA zuschalten. Die Steuerung der PA erfolgt über die PTT-Leitung zwischen dem TS-890 und der ACOM-1000. Diese PTT-Leitung wird über eines der drei Relais des Tunersequenzers geführt. Dieses Relais wird jedesmal geöffnet, wenn der Tunersequenzer beim Einschalten der Station startet und bevor ein Abstimmvorgang beginnt. Das Relais bleibt solange offen, bis es per Kommando wieder zugeschaltet wird. Bei diesem Kommando wird die Leistung auf 25 W als „Startleistung“ für den PA-Betrieb eingestellt. Eine Fehlbedienung der PA ist weitestgehend ausgeschlossen.

Der Sequenzer steuert den Abstimmvorgang über 3 Reedrelais.

  • Relais 1 veranlasst den TS-890, zum Abstimmen ein Signal zu senden. Dazu wird die Mikrofonschnittstelle des TS-890 genutzt. Im Manual des TS-890 ist eine Schaltung für bis zu 6 Mikrofontasten beschrieben. Dazu passende Handmikrofone für Kenwood Transceiver werden jedoch seit langem nicht mehr gefertigt. Mit der beschriebenen Schaltung kann man sich aber eine kleine Tastatur mit 6 Tastern zu Steuerzwecken bauen. Der Tunersequenzer nutzt nur eine der 6 Funktionen und schaltet die Funktion „Abstimmen mit verminderter Leistung“ per Relais. Parallel dazu wird der Taster (im kleinen Gehäuse auf der PA liegend) zum manuellen Abstimmen der PA verwendet.
  • Relais 2 steuert den Tuner AT-1000pro. Der Tuner hat eine PTT-Buchse, über die ein Abstimmvorgang eingeleitet werden kann.
  • Relais 3 trennt oder verbindet den TS-890 und die ACOM-1000 über die gemeinsame PTT-Leitung. Die Trennung erfolgt vor jedem Abstimmvorgang, beim Einschalten des Tunersequenzers und beim Kommando „Stop Tune“

Die Relais und die Stromversorgung des Tunersequenzers mussten gegen HF geschützt werden. Bei ersten Tests hatte sich gezeigt, dass die PTT-Leitung vom TS-890 zur PA HF führt, so dass der Sequenzer bei laufender PA gestört wurde.

CW – Keyer

Keyer

Für gelegentlichen Kontestbetrieb ist ein WinKeyer-USB nach K1EL vorhanden. Ab und zu muss man aber auch im Kontest zum Paddle greifen, um z.B. etwas langsam zu wiederholen. Der Betrieb mit USB-Schnittstelle und angeschlossenem Paddle im Wechsel funktionierte nicht. Daher war zunächst ein zweiter Keyer (Hamgadgets) und ein Tastenverteiler im Einsatz. Alles mit vielen Verbindungskabeln. Der Keyer von Hamgadgets wurde durch einen Eigenbau ersetzt, an den 3 Handtasten, 2 Paddles und der Winkeyer angeschlossen werden. Der Ausgang des Keyers kann per Kommando oder Taster auf den TS-890 oder den IC-9700 geschaltet werden oder auch abgeschaltet werden. Es ist zusätzlich eine Buchse an der Gehäusefront vorhanden, an der der Keyerausgang immer anliegt. Diese ist für QRP-Transceiver bestimmt oder für Messzwecke beim Justieren der Tasten.

Im Keyer sind zwei ATtiny13 verbaut. Einer übernimmt die Signalerzeugung für Paddles und Handtasten. Der zweite schaltet das CW-Signal auf den gewünschten Ausgang. Zwei Leds zeigen an, welcher Transceiver ausgewählt ist.

Was hat die Zentralsteuerung für den Funkbetrieb gebracht ?

  • Die Zahl der vorhandenen Geräte wurde reduziert. Die Verkabelung ist übersichtlicher geworden. Der Einsatz neuer Transceiver hat die Arbeitsmöglichkeiten insgesamt sehr verbessert. Fehlschaltungen und Fehlbedienung werden durch die aufgebaute Steuerung weitestgehend ausgeschlossen.
  • Die Abstimmung mit dem externen Tuner nach Bandwechsel erfolgt viel schneller. In der Regel ist keine explizite Abstimmung per Kommando nötig. Lediglich die PA ist noch manuell abzustimmen und benötigt etwas Aufheizzeit. Taucht im DXCluster eine interessante Station auf, reicht der Klick in das Cluster, um die Antenne entsprechend zu schalten und abzustimmen. Das verbessert die Chance, die gewünschte Station auch arbeiten zu können.
  • Das gleichzeitige Hören unterschiedlicher Audioquellen im Kopfhörer erschien anfangs etwas exotisch. Im Satellitenbetrieb die Ansagen der aufgehenden Satelliten vom PC (SATPC32) und gleichzeitig den gewählten Satelliten zu hören, ist aber sehr komfortabel. An Tagen, an denen wenige Aktivitäten im Sächsischen Bergwettbewerb angekündigt sind, kann man nebenbei die Kurzwellenbänder nach Stationen absuchen. Und wenn man an einem heißen Sommertag den Kopfhörer nicht tragen mag, klickt man auf Lautsprecherbetrieb. Das Prinzip „ein Kopfhörer für alles“ hat sich bewährt.
  • Beim CW-Betrieb wird nichts mehr umgesteckt. Ob für Kurzwelle oder für UKW, der jewels gewählte TRX „holt“ sich erst einmal alle Morsetasten und den Kopfhörer.

[1] https://www.dxlabsuite.com/

[2] https://www.k1xm.org/OTRSP/

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